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Leben im Überfluss

 

Auf meinen letzten Blog-Beitrag (Ich hab da meine Zweifel) erhielt ich erstaunlich viele Rückmeldungen. Durchweg positive Reaktionen von persönlich berührten Menschen. Dies zeigt mir: Den Mut haben, vom eigenen Scheitern zu berichten, sich verletzlich zu machen, trifft den Nerv - ganz offensichtlich von uns allen.

 

Scheitern gehört einfach zum Leben dazu. Ein besseres Lernfeld gibt es nicht. Dazu gehören eben auch unsere falschen Annahmen, die wir irgendwann einmal korrigieren müssen.

 

Die meisten Menschen nehmen zum Beispiel an, dass der Weg zu einem Leben, dass glücklich und erfolgreich ist und dass Gott uns zugedacht hat, nach folgendem Muster verläuft:

A): Glaube an Gott, B): sei ein guter Mensch, C): Gott kümmert sich um den Rest. A + B = C.

Und dann kommt Jesus und behauptet, diese Gleichung sei unvollständig.

 

Er sagt: Mein Plan für euch ist besser. Viel besser. Und zwar: Ich möchte euch Leben geben. Leben im Überfluss.

 

Wir kennen das Bild von den Schafen und dem guten Hirten. Jesus sagt uns: Zieht nicht auf eigene Faust los. Es reicht nicht nur an mich zu glauben. Ihr müsst nah an mir dran bleiben. Auf meine Stimme hören. Euch führen lassen. 

 

"Der Dieb kommt, um zu stehlen,

zu schlachten und zu vernichten.

Ich aber bringe Leben - und dies im Überfluss."

 Die Bibel, Johannes 10,10

 

Und nun? Was mache ich mit diesem Angebot?

 

Wenn ich nicht von der selben Annahme ausgehe wie Jesus, dann habe ich keine Chance, das Leben zu finden, dass er mir geben möchte. Und so suchen wir den ganzen Himmel ab, um einen Zugang zu diesem erfüllten Leben zu bekommen. Wir stellen uns die Frage: Kann man Gott wirklich ganz persönlich erleben? Es mag total banal erscheinen, dass ich den Gott des Universums mit den Kleinigkeiten meines Alltags in Verbindung bringe. Mit Parkplatzsuche und Urlaubsplanung. Kümmert sich Gott wirklich um derartigen Kleinkram? Ist er uns wirklich so persönlich nah und vertraut mit uns? Von einem können wir, glaube ich, sicher ausgehen: Gott kennt uns ganz gewiss so persönlich.

König David verfasste ein einzigartiges Gebet:

 

"Herr, du durchschaust mich,

du kennst mich durch und durch.

Ob ich sitze oder stehe – du weißt es,

Aus der Ferne erkennst du, was ich denke.

Ob ich gehe oder liege – du siehst mich,

Mein ganzes Leben ist dir vertraut.

Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will.

 

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine schützende Hand über mir.

Dass du mich so genau kennst - unbegreiflich ist mir das,

zu hoch, ein unergründliches Geheimnis!"

 

Die Bibel, Psalm 139, 1-6

Ganz gleich, was für Vorstellungen wir im Augenblick davon haben, was es mit Nähe und Vertrautheit mit Gott auf sich haben könnte, zumindest das eine ist wahr:

Gott kennt uns wirklich durch und durch und bis in alle Einzelheiten.

 Er weiß, wann ich gestern Abend zu Bett gegangen bin.

Er weiß, wovon ich geträumt habe.

Er weiß, was ich heute zum Frühstück hatte.

Er weiß, wohin ich meine Autoschlüssel verlegt habe, was ich von dem nervigen Typ im Wagen vor mir halte und warum ich ich meinem Chef heute Nachmittag aus dem Weg gehen wollte. Das macht dieser Bibelabschnitt, dieses Gebet von König David, klar. Gott kennt mich. Er kennt uns. Bis ins Letzte.

 

Oder denken wir an den Anfang zurück. Der erste Mann, die erste Frau, Adam und Eva – sie kannten Gott und sprachen mit ihm. Und nach dem Sündenfall macht sich Gott nach ihnen auf die Suche.

 

"Am Abend, als ein kühler Wind aufkam, hörten sie,

wie Gott, der Herr, im Garten umher ging.

Ängstlich versteckten sie sich vor ihm hinter den Bäumen.

Aber Gott rief: 'Adam, wo bist du?'  

Die Bibel, 1. Mose 3,8-9

 

Eine wunderbare Szene. Sie sagt uns, dass Gott uns selbst angesichts unserer Sünde noch immer als Sein gegenüber haben will und sich um uns kümmert. Der Rest der Bibel handelt davon, wie die Geschichte weitergeht, wie Gott uns nachgeht und uns zu sich zurückruft.

Der Herr ist bei euch, solange ihr bei ihm bleibt. Wenn ihr ihn sucht, wird er sich finden lassen.

2. Chronik 15,2

 

Ich gebe Ihnen ein verständiges Herz, damit sie erkennen, dass ich der Herr bin. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein; von ganzem Herzen werden sie wieder zu mir umkehren.

Jeremia 24,7

 

Jetzt fordere ich, der Herr, der allmächtige Gott, euch auf: Kehrt um, kommt zu mir zurück! Dann wende auch ich mich euch wieder zu.

Sacharja 1,3

 

Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nah sein.

Jakobus 4,8.

 

Darum wollen wir uns Gott nähern.

Hebräer 10,22

 

Eine enge, ja, innige Beziehung zu Gott ist der Sinn unseres Daseins. Dafür hat Gott uns geschaffen. Wir sollen nicht einfach nur an ihn glauben, wenn das auch ein guter Anfang ist. Wir sollen ihm nicht nur gehorchen, obwohl das zu unserer Berufung dazugehört.

 

Gott hat uns geschaffen für die denkbar engste Gemeinschaft mit sich selbst, und in dem er das tat, hat er das Ziel unseres Daseins definiert: Wir sollen ihn kennen, ihn lieben und unser Leben in vertrauensvoller Verbindung mit ihm gestalten. Jesus zufolge besteht das ewige Leben darin, Gott zu kennen. (s.a. Johannes 17,3) Ja, es ist möglich.

Nicht nur etwas über Gott zu wissen, so wie man etwas über die Ozonschicht weiß oder über einen großen, historisch bedeutsamen Menschen weiß. Sondern ihn so zu gut zu kennen, wie zwei Menschen sich nur kennen können; aufs engste mit ihm vertraut sein, so wie Jesus mit dem Vater vertraut ist. Eben Leben im Überfluss.

 


***Die Fotos (mit Ausnahme des "Himmelssuchers") entstanden am Strand und auf der alten Seebrücke in Kühlungsborn, Mecklenburg-Vorpommern.

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Kommentare: 1
  • #1

    Anne Kerste (Freitag, 16 Februar 2024 00:46)

    Ja,das ist die Wahrheit,- Danke dafür
    Seid gesegnet