· 

Hochwasser

Wieder einmal Hochwasseralarm an der Oste.

Die Oste, ein wunderbarer Fluss, der sich weitestgehend naturnah durch das Elbe-Weser-Dreieck schlängelt und schließlich bei Neuhaus in die Elbe mündet. Für Hochwasserereignisse wie diese kann man viele großartige Worte und Beschreibungen finden. Vor allen Dingen, wenn man selbst nicht vom Wasser betroffen ist. Dann ist solch ein Schauspiel der Natur faszinierend, beeindruckend und überwältigend. Die vom "Weihnachtshochwasser" Betroffenen aber wiederum würden sagen, dass es erschreckend oder gar fürchterlich ist. Als Fotograf und Drohnenpilot gehöre ich wohl eher zur ersteren Gruppe.

 

Das Hochwasser hatte sich quasi schon "angekündigt" und hatte einen etwas längeren Vorlauf. Natürlich sind Überschwemmungen immer mit regionalen Niederschlägen verbunden, die niemand Monate zuvor vorhersagen kann. Aber mit Beginn des Herbstes stieg auch die Zahl der Niederschlagsereignisse und deren Intensität. So wurden an der DWD-Wetterstation Minstedt bis zum heutigen Freitag (29.12.) folgende Werte gemessen: (in % die Steigerung im Vergleich zum langjährigen Mittel)

Oktober: 159,9 mm (232%)

November: 116,2 mm (176%)

Dezember: 150,1 mm (198 %)

 

 

Top 3

Da hat sich also schon im Herbst etwas aufgebaut, dessen Auswirkungen wir heute erleben. Die Böden waren schon lange gesättigt, als die Vegetationsphase dem Ende entgegen ging. Die Verdunstungsrate nimmt logischerweise zum Winter hin immer weiter ab. Jeder weitere Starkregen würde somit unweigerlich direkt zum Abfluss kommen. Die notwendige Rückhaltung kann daher hier an der Oste nur in der Fläche, also in der Flussaue bzw. in der Niederung direkt stattfinden. 

 

Und so hat sich dieses Hochwasser, dass seinen Höchststand am Pegel in Rockstedt ausgerechnet am 1. Weihnachtstag, den

25.12.2023 mit 926 cm

hatte, unter die Top 3 der letzten Extremhochwasser "gespielt".

Höher waren nur die Ereignisse am

20.07.2002 mit 932 cm

und

22.01.2008 mit 937 cm

 

 

Raum zum Leben - für den Fluss

In der Tat. Von oben aus der Vogelperspektive betrachtet ist es schon erstaunlich, wie groß der Retentionsraum, d.h. der Teil der Flußniederung, der als sicheres Überschwemmungsgebiet zur Verfügung steht, tatsächlich ist.

 

Die Menschen hier leben mit dem Fluß und seiner schnellen Pegelanstiege. Denn sobald es etwas ausgiebiger regnet, steigt der Pegel steil an. Sie siedeln daher fast ausschließlich außerhalb des gesetzlich festgesetzten Überschwemmungsgebietes Oste (ÜSG) und sehen den steigenden Wasserständen zwar aufmerksam aber überwiegend gelassen entgegen. 

 

Eng wird es nur für einige Gebäude und Bereiche in der Stadt Bremervörde, wenn eine zusätzliche Sturmflut und die Tide das Ablaufen des Wassers aus dem oberen Teil der Oste verzögert oder gar verhindert.

 

nix wie raus und dokumentieren

Nun war es eben wieder soweit. Als Ingenieur der Wasserwirtschaft wollte ich mir dieses Naturschauspiel natürlich nicht entgehen lassen. Zumal heute ein kleines Zeitfenster mit Trockenheit und etwas Sonnenschein angekündigt wurde. Endlich!

So schnappte ich mir ein paar geladene Akkus und die DJI MAVIC 2 PRO und machte mich auf den Weg.

 

Hier ein paar Impressionen aus Spreckens, Minstedt und Sandbostel. Ein kleines Flugvideo (1:52 Min) findest du auf meinem Instagram-Kanal HIER.

 

Der Wasserstand am maßgebenden Pegel in Rockstedt zum Zeitpunkt der Aufnahmen:

877 cm am Pegel bzw. 8,76 NN+m.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Jens Klasen (Samstag, 30 Dezember 2023 12:20)

    Tolle Bilder lieber Jörg. Da kann man wieder sehen, wie wichtig es ist, das ÜSG von Bebauung frei zu halten �

  • #2

    Ulrike Heins (Samstag, 30 Dezember 2023 15:51)

    Sehr gute Bilder, hast es schön beschrieben, für den anderen ist es schön anzuschauen, aber für den der betroffen ist, sieht das ganz anders aus.